Monday, 27. october 2008 1 27 /10 /Okt. /2008 09:53


NORDWAND
BRD
2008
Regie: Philipp Stölzl
Cast: Benno Fürmann, Florian Lukas, Johanna Wokalek, Georg Friedrich, Simon Schwarz, Ulrich Tukur, Erwin Steinhauer u.a.

In den 30er Jahren, als die Nazis auf dem Höhepunkt ihrer Macht sind und die Olympischen Spiele in Berlin ihre mächtigen Schatten vorauswerfen, sucht man in Deutschland und Resteuropa nach neuen Helden. Was würde sich besser zur Heldenbildung eignen als die Besteigung der legendären Eiger-Nordwand, eine bis dato unbezwungene Steilwand, an der bereits erfahrenste Bergsteiger den eisigen Tod fanden? Vom eigenen Ehrgeiz getrieben, die Ersten zu sein und die olympische Goldmedaille vor Augen, machen sich die beiden Freunde Toni Kurz und Andi Hinterstoisser sowie weitere Teams aus anderen Ländern, aber mit denselben Zielen unter den Augen der führenden Journaille, die das gefährliche Unterfangen aus sicherer Entfernung per Fernglas verfolgt, auf den Weg zum Gipfel.
Zu Beginn läuft alles gut, das Wetter spielt mit und man kommt gut voran. Aber die Legende der tückischen und unbezwingbaren Nordwand soll sich auch diesmal bewahrheiten...

Bevor der Film angefangen hatte und überhaupt nur ein einziger Satz gesprochen worden war hagelte es "Buuuh"-Rufe und sogar das Wort "Scheiß-Film" fiel. Hatte da jemand den Film schon gesehen? Diese Art der Vorverurteilung liegt mir nicht und so blieb ich sitzen und ließ mich auf den Film einfach ein. Ich hätte ihn freiwillig sicher nicht geschaut, zumindest nicht im Kino. Nicht weil es eine deutsche Produktion ist, sondern weil ich Berge nicht leiden kann und mich die Geschichte an sich nur mäßig bis gar nicht interessiert. Aber okay, es ging also los und ich gab dem Ganzen eine Chance.
Völlig enttäuscht wurde ich dann auch nicht. Es waren wirklich tolle Aufnahmen des Eiger und seiner immer noch - wenn auch bekanntermaßen lange bezwungenen Nordwand - dabei, die auf der großen Leinwand ehrlich beeindruckend waren.
Die Musik, drängelte sich leider dem geneigten Zuschauer oftmal geradezu auf und nahm an manchen Stellung durch "verräterische" Klänge die Spannung statt sie zu steigern.
Der Cast war solide gewählt. Mein Kompliment gilt Florian Lukas. Der ist so durch und durch Andi Hinterstoisser, dass ein Benno Führmann als Toni Kurz dagegen, trotz gewohnt solider Leistung, blass wirkte.
Überhaupt nicht überzeugen konnte mich Johanna Wokalek, was aber zum Teil auch ihrer ziemlich blöden Rolle der Luise Fellner zugeschrieben werden kann.
Wozu die Autoren aus ihr eine aufstrebende und am Ende desillusionierte Journalistin, Objekt der Begierde für den Chef, eine gute alte Jugendfreundin der Helden in spe und zuguterletzt auch noch die mehr oder minder heimliche und verhinderte Liebe des einen Klettermaxe gemacht haben, bleibt ein Rätsel. Die Figur ist total überladen und Frau Wokalek wirkt damit überfordert. Gegen Ende wird ihre Figur bzw deren Geschichte dann auch noch haarsträubend und dermaßen unrealistisch, dass selbst der dümmste Depp den Machern die Handlung nicht mehr abkaufen kann. Selbst mit ganz viel gutem Willen nicht.
So kann man mit Luise leider so gar nicht mitleiden, denn sie wirkt selbst nicht so wirklich leidend. So ein traumatisches Erlebnis, wie sie es hier erlebt haben soll, würde eine junge Frau, die noch dazu selbst halb erfroren und schon von den Ereignissen vorher zutiefst erschüttert sein müsste, wohl in eine tiefere Krise stürzen als es uns hier gezeigt wurde. Einfach nur traurig kucken und den Job kündigen? Das reicht irgendwie nicht.

Im Großen und Ganzen war der Film nicht so ganz schlecht. Er fing ein bißchen sehr schleppend an, als es an den Aufstieg ging wurde er dann sogar interessant und auch spannend (an dieser Stelle nochmal: schade, dass die Musik so vieles verraten hat). Das Ende der Bergsteiger ist zwar realistisch, aber das Ende des Films dagegen durch das ganze blöde Drumherum leider so kitschig und wenig fesselnd geraten, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln möchte. So bleibt am Ende ein Film mit traumhaften Bergaufnahmen, einer mäßig spannend erzählten Geschichte, die durchaus Potenzial hat und ein völlig vergeigter Schluss. Irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Trotzdem irgendwie unterhaltsam: 4+
von Dr. Mambo
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Monday, 20. october 2008 1 20 /10 /Okt. /2008 10:49



Hellboy – die goldene Armee

Hellboy 2 – the golden army
USA/D, 2008
Cast: Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, Luke Goss, James Dodd, Jeffrey Tambor, Anna Walton, John Hurt u.a.
Regie: Guillermo Del Toro

Der Kampf zwischen Gut und Böse scheint – bis auf kleinere “Zwischenfälle” – beendet seit der Elfenkönig vor vielen Jahren den Zwist beendete und seine unbesiegbare goldene Armee in quasi Tiefschlaf versetzte. Sein Sohn, der machtgierige Prinz Nuada, will diese Armee um jeden Preis wieder zum Leben erwecken, koste es was es wolle. Zum Glück für die Menschheit gibt es aber ja noch die Guten: Hellboy und seine ebenso wenig menschlichen Freunde und Kollegen, die eigentlich nur ganz normal sein möchten und nebenbei von den ignoranten Menschen mehr oder minder unbemerkt, die Welt zu retten versuchen.

Holla die Waldfee, was für ein Film! Hier bekommt der geneigte Filmfan wirklich alles geboten, was er sich nur wünschen kann: eine wahnsinns Ausstattung, detailverliebt und einfach wunderschön und faszinierend anzusehen, gutes Effektkino, dass aber stets die Waage hält zwischen moderner Spielerei und klassischem Schauspiel, eine zugegeben nicht besonders originelle Story, die dafür aber so liebevoll und unterhaltsam erzählt wird, dass man gar nicht so richtig merkt, wie banal sie eigentlich ist und nicht zuletzt eine wunderbare musikalische Untermalung neben unfassbar guten und passenden Sounds wenn’s mal wieder kracht und rummst.
Nachdem ich den Vorgänger „Hellboy“ schon recht gut fand, war das Sequel einer meiner Wünsche für dies Kinojahr. Ich kann eigentlich gar nicht mehr dazu sagen, als dass ich nicht nur nicht  enttäuscht wurde, sondern dass Del Toro meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Ein Sequel, das besser ist als Teil 1, das bekommt man wahrlich nur selten zu sehen. Wo Teil 1 mitunter noch recht träge (aber nicht schlecht) daher kam, kriegt man in Teil 2 ein Potpourri allerfeinster „Filmkunst“ geboten. Nie langweilig, immer unterhaltsam, mitunter sehr lustig, tricktechnisch und maskenbildnerisch am Limit ohne dass das aufgesetzt oder deplatziert wirkt.
Der Cast spielt allesamt überzeugend, allen voran "Hellboy" Ron Perlman selbst, aber auch alle anderen wirken perfekt mit ihrem Filmcharakter verschmolzen.
Kinoherz was willst du mehr? Für mich der interessanteste Film bisher in 2008, gefiel mir sogar besser als „the dark knight“, bei dem mir die unausgegorene Two-Face-Geschichte gegen Ende irgendwie zu viel des Guten war. Hier hat mich gar nicht viel gestört, selbst die seltsamen romantischen Anwandlungen nicht, eigentlich hat mich gar nichts gestört, darum  vergebe ich zum ersten Mal dies Jahr eine 1-
Mit einem kleinen Minus, aber nur, weil ich nach oben hin noch etwas Raum lassen muss ;)

von Dr. Mambo
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Tuesday, 14. october 2008 2 14 /10 /Okt. /2008 11:57


ANANAS EXPRESS
pineapple express
Komödie, USA, 2008
Cast: Seth Rogen, James Franco, Bill Hader, Rosie Perez, Gary Cole, Amber Heard u.a.
Regie: David Gordon Green

Dale, ein unverbesserlicher Kindskopf mit erheblich jüngerer High School Freundin und Hang zur Kifferei, beobachtet zufällig einen Mord unter Drogenbossen. Dummerweise wird er dabei selbst von diesen gesehen und muss fortan um sein Leben fürchten. In Panik sucht er Rat bei seinem einzigen Freund und Dealer Saul, der ihn auf seiner nun folgenden Flucht vor dem mörderischen Drogenboss, korrupten Polizisten und der chinesischen Drogenmafia mit jeder Menge "Ananas Express" im Gepäck, einem neuen Supergras, begleitet.

Herrje, was für ein Unsinn! :))) "Ananas Express" bietet wahrlich ein Feuerwerk an absurden Ereignissen und Handlungssträngen. Immer wenn man denkt "das ist nun wirklich an Blödheit nicht mehr zu topppen", kommt es noch dicker.
Seth Rogen - der mir im Gegensatz zu vielen anderen hier nicht wirklich bekannt vorkam (obwohl ich ihn nach Durchsicht seiner Filmographie in etlichen Filmen gesehen haben MUSS) - spielt den ewigen Loser Dale wirklich gut. Noch besser gefallen hat mir dennoch James Franco (der hier übrigens eine unglaubliche Ähnlichkeit mit Johnny Depp hat). Sein Charakter Saul ist so dermaßen bekloppt und Franco spielt ihn so überzeugend, dass man tatsächlich vergessen kann, dass er sonst auf ganz andere Rollen abonniert ist. Ich hatte das Gefühl, dass er sich gefreut hat wie ein kleines Kind, sich auf der Leinwand endlich mal so richtig schön daneben benehmen zu können und einen total schrägen Charakter zu spielen. Und er macht das auch noch richtig gut. Dafür Daumen hoch!
Während also der recht gute Cast von einer Absurdität in die nächste strumpelt, gibt es in "Ananas Express" allerlei mehr oder minder lustige Dialoge, hoffentlich witzig gemeinte zeitlich angestaubte Blenden und dermaßen plumpe und absurde Anspielungen auf Filme aller Couleur, dass es eigentlich schon wieder witzig ist.

Es gibt aber auch durchaus zu bemängeln. Die Handlung um Dale's jugendliche Freundin wurde wohl nur eingebaut, um eine hübsche Frau dabei zu haben und genauso wirkt es dann auch: überflüssigerweise nachträglich reingeschrieben und am Ende gar ohne Abschluss oder Auflösung. Hätte man diese etwa 20 Minuten Spielzeit um das Pärchen einfach weggelassen, hätte das dem Film mehr genützt als geschadet, denn er wäre so auf eine erträglich Länge gekommen und hätte nicht genervt. Denn das passiert leider nach einer Weile in "Ananas Express": es wird irgendwann dann doch mal zu viel ,zu doof und abstrus und schlicht zu lang(-atmig). Weniger ist manchmal mehr, das bewahrheitet sich hier mal wieder.
Und über das eigenartige Ende in dem Diner decken wir mal einfach das Mäntelchen des Schweigens... das war wohl nix

Kifferkomödien haben aber grundsätzlich ein ganz anderes "Problem": man muss in der Stimmung für solch einen Film sein, denn Sinn hat so etwas meist nicht, soll es auch gar nicht haben, sondern schlicht unterhalten und das Publikum durch möglichst absurde Handlung zum Lachen bringen.
Mein Problem war, dass ich an dem Tag ziemlich miese Laune hatte und irgendwie so gar keinen Bock hatte, mich auf so einen Unfug einzulassen und war entsprechend mehr damit beschäftigt, auf die Uhr zu schauen und das Ende herbei zu wünschen als über den Quatsch zu lachen. ABER: schlecht ist "Ananas Express" dann auch wieder nicht! Ich habe trotz allem durchaus erkannt, dass ich ihn an einem anderen Tag mit ein, zwei Bier und ein paar Freunden in guter Stimmung zum Schreien komisch gefunden hätte und darum kriegt der "Ananas Express" von mir trotzdem noch eine 3-
von Dr. Mambo
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Monday, 6. october 2008 1 06 /10 /Okt. /2008 17:21


HOUSE BUNNY

USA, 2008
Regie: Fred Wolf
Cast: Anna Faris, Emma Stone, Colin Hanks, Kat Dennings, Katharine McPhee, Beverly D’Angelo, Rumer Willis, Hugh Hefner & ein paar Playboy Bunnies

Was tut eigentlich ein Playboy Bunny, wenn seine Halbwertzeit abgelaufen ist? Da Bunnys ja der landläufigen Meinung nach wenig Grips und kaum wirkliches Talent haben, bleibt Shelly nach ihrem unfreiwilligen Auszug aus der legendären Playboy Mansion kaum eine Wahl als das zu tun was sie eben kann: hübsch aussehen, Bunny-Lebensweisheiten unters Volk zu bringen und unattraktive, unbeliebte Studentinnen einer abgehalfterten Studentenverbindung zu bildhübschen und damit gleich auch den angesagtesten Girlies des Campus zu tunen.

Das ist dann auch schon alles, worum es in House Bunny geht: nichts. Jedenfalls nichts was die Welt gebrauchen könnte. Der Film ist sensationell hohl und unwichtig, so dass man ihn eigentlich schon in der Minute vergessen hat, in der man das Kino verlässt.
Nichtsdestotrotz kann man hier und da mal schmunzeln, allerdings meist eher aus blankem Entsetzen über die unzähligen Klischees, die hier verwurstet werden: Männer sind (fast) alle – Entschuldigung für die Ausdrucksweise – schwanzgesteuert, intelligente Frauen sind immer unattraktiv, schöne Frauen im Regelfall dafür doof und Frauen mit Hirn wollen Männer eh nicht. Ach die Liste kann man unendlich fortführen.
Der Cast macht seine Sache im Großen und Ganzen nicht mal schlecht, aber da die Anforderungen an die Darsteller ziemlich klein sind, ist das auch keine Kunst. Die Frauen sehen die meiste Zeit halt einfach nur gut aus oder machen hier und da mal ein betroffenes Gesicht, die Männer sabbern beim Anblick der zahlreichen kurzen Röckchen dümmlich vor sich hin. Himmel, das kann doch so ziemlich jeder. Anna Faris war mir bis dahin unbekannt, ist aber immerhin so überzeugend, dass man nicht sicher sein kann, ob die Dame im echten Leben tatsächlich auch so dusselig ist. Ich hoffe für sie, dass sie einfach nur Talent hat und darum als dümmliches Bunny so gut wirkt. Dafür gibt’s tatsächlich einen Pluspunkt. Immerhin einen.
Handwerklich durchaus solide und Story bedingt unspektakulär, der hippe Soundtrack wird dank der Pussycat Dolls, Rihanna, Muse, Rooney, Avril Lavigne und Co sicher den einen oder anderen Käufer finden.
Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel mehr zu sagen. Wenn man ziemlich leichte Unterhaltung bzw meist anspruchslosen Humor mag, kann man House Bunny vielleicht was abgewinnen. Wer auch nur einen Funken Anspruch oder Tiefgang sucht, sollte lieber einen großen Bogen um House Bunny machen.
Mir hat das überhaupt nicht gefallen, ist nicht meine Art Humor und erst recht nicht die Art von Film die ich mag, aber immerhin bin ich nach anfänglichem Fluchtreflex doch bis zum Schluss geblieben und auch nicht eingeschlafen und der Spitzenreiter an Hirn- und Sinnlosigkeit bleibt immer noch Babylon A.D., also gebe ich dem Bunny dank Anna Faris eine 4-.Ohne sie wäre das ne 5 gewesen.
Ist zwar wirklich doof, aber so richtig weh tut House Bunny dann auch nicht. Gerade noch ausreichend eben.
von Dr. Mambo
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Monday, 6. october 2008 1 06 /10 /Okt. /2008 17:19


Transsiberian

2008, Deutschland, UK, Litauen, Spanien
Regie: Brad Anderson
Cast: Woody Harrelson, Emily Mortimer, Eduardo Noriega, Kate Mara, Ben Kingsley, Thomas Kretschmann


Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn: Ein Mythos, fernab der modernen Welt, irgendwie geheimnisvoll und auch umweht von einem Hauch Gefahr.
Reisende treffen in diesem Zug aufeinander, aus verschiedenen Ländern, unterschiedlichen Kulturen, mit ungewissen Zielen und ebenso unbekannter Herkunft. Zwangsläufig kommt man ins Gespräch, wenn die Sprachbarriere es zulässt und versucht die Zeit irgendwie tot zu schlagen.
So treffen 2 Paare aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der spießige und streng gläubige Eisenbahnfan Roy samt Ehefrau Jessie und der lässige und undurchsichtige Spanier Carlos in Begleitung der wortkargen Abby. Man wird das Gefühl nicht los, dass beide Pärchen irgendein Geheimnis haben. Welches gilt es auf der langen Reise herauszufinden.

Grundsätzlich bietet die Szenerie der kalten Einöde Russlands gepaart mit der ausweglosen Eingeschlossenheit in einen Zug mit lauter Fremden eine perfekte Kulisse für einen packenden Krimi. "Transsiberian" wartet dann auch mit ein paar tollen Landschaftsaufnahmen auf, einem viel versprechenden Cast (z.B. Ben Kingsley, Woody Harrelson) und einer Story, die eigentlich einen tollen Thriller hätte abgeben können.
Anstatt aber konsequent einen Weg zu verfolgen, driftet der Film von A nach B und zurück, versucht mal mehr mal weniger erfolgreich, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken, kann sich nicht entscheiden, was er eigentlich sein will und lässt den Zuschauer bis fast zum Schluss im Unklaren, worum es eigentlich geht. Als ich nach einer Stunde etwa meinem Freund zuflüsterte „sag mal, hast du ne Ahnung, worauf das hinauslaufen soll?“ bekam ich die Antwort „ich weiß noch nicht mal, was für ein Genre das sein soll“. Diese Aussage trifft es 100%, denn bis dahin eiert man irgendwo zwischen Krimi, halbherziger Charakterstudie und Road- bzw Railmovie herum. Am Ende kann sich zwar der Thriller durchsetzen, aber auch da hangelt man sich von sexuellen Übergriffen, Mord und Totschlag, absichtlichem sowie unwissentlichem Drogenschmuggel sowie Folter und Korruptionsskandal hin und her. Ein bisschen zuviel des Guten für meinen Geschmack. Zumal erst eine Stunde lang so gut wie gar nix passiert und sich plötzlich die oben genannten Ereignisse überstürzen. Kurz vor Schluss wird es gar richtig harrsträubend. Aber ich will hier nicht zu viel verraten.

Irgendwie ist "Transsiberian" stinklangweilig und wird wohl kaum ein breites Publikum begeistern können. Da die erst unerträglich träge und zum Ende hin hanebüchene Story und der blasse Cast, von dem mich nur Eduardo Noriega überzeugt hat, nicht wirklich etwas retten können, prophezeie ich "Transsiberian" einen mäßigen Kinoerfolg.
Selbst unter Fans der Transsibirischen Eisenbahn wird der Film kaum Freunde finden können, denn dafür sieht man von selbiger nur wenig. Die paar sehenswerten Landschaftsaufnahmen sind in jeder x-beliebigen Doku eindrucksvoller in Szene gesetzt.

Alles in allem hatte der Film ein paar nette Ideen, ein paar schöne Irreführungen und hübsche Aufnahmen zu bieten, auf der anderen Seite überwiegen ein unterforderter Cast, zu wenig Spannung zu Beginn und zu viel des Guten am Ende und vor allem schreckliche Langeweile.

Schade: 4

von Dr. Mambo
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