
NORDWAND
BRD
2008
Regie: Philipp Stölzl
Cast: Benno Fürmann, Florian Lukas, Johanna Wokalek, Georg Friedrich, Simon Schwarz, Ulrich Tukur, Erwin Steinhauer u.a.
In den 30er Jahren, als die Nazis auf dem Höhepunkt ihrer Macht sind und die Olympischen Spiele in Berlin ihre mächtigen Schatten vorauswerfen, sucht man in Deutschland und Resteuropa nach neuen Helden. Was würde sich besser zur Heldenbildung eignen als die Besteigung der legendären Eiger-Nordwand, eine bis dato unbezwungene Steilwand, an der bereits erfahrenste Bergsteiger den eisigen Tod fanden? Vom eigenen Ehrgeiz getrieben, die Ersten zu sein und die olympische Goldmedaille vor Augen, machen sich die beiden Freunde Toni Kurz und Andi Hinterstoisser sowie weitere Teams aus anderen Ländern, aber mit denselben Zielen unter den Augen der führenden Journaille, die das gefährliche Unterfangen aus sicherer Entfernung per Fernglas verfolgt, auf den Weg zum Gipfel.
Zu Beginn läuft alles gut, das Wetter spielt mit und man kommt gut voran. Aber die Legende der tückischen und unbezwingbaren Nordwand soll sich auch diesmal bewahrheiten...
Bevor der Film angefangen hatte und überhaupt nur ein einziger Satz gesprochen worden war hagelte es "Buuuh"-Rufe und sogar das Wort "Scheiß-Film" fiel. Hatte da jemand den Film schon gesehen? Diese Art der Vorverurteilung liegt mir nicht und so blieb ich sitzen und ließ mich auf den Film einfach ein. Ich hätte ihn freiwillig sicher nicht geschaut, zumindest nicht im Kino. Nicht weil es eine deutsche Produktion ist, sondern weil ich Berge nicht leiden kann und mich die Geschichte an sich nur mäßig bis gar nicht interessiert. Aber okay, es ging also los und ich gab dem Ganzen eine Chance.
Völlig enttäuscht wurde ich dann auch nicht. Es waren wirklich tolle Aufnahmen des Eiger und seiner immer noch - wenn auch bekanntermaßen lange bezwungenen Nordwand - dabei, die auf der großen Leinwand ehrlich beeindruckend waren.
Die Musik, drängelte sich leider dem geneigten Zuschauer oftmal geradezu auf und nahm an manchen Stellung durch "verräterische" Klänge die Spannung statt sie zu steigern.
Der Cast war solide gewählt. Mein Kompliment gilt Florian Lukas. Der ist so durch und durch Andi Hinterstoisser, dass ein Benno Führmann als Toni Kurz dagegen, trotz gewohnt solider Leistung, blass wirkte.
Überhaupt nicht überzeugen konnte mich Johanna Wokalek, was aber zum Teil auch ihrer ziemlich blöden Rolle der Luise Fellner zugeschrieben werden kann.
Wozu die Autoren aus ihr eine aufstrebende und am Ende desillusionierte Journalistin, Objekt der Begierde für den Chef, eine gute alte Jugendfreundin der Helden in spe und zuguterletzt auch noch die mehr oder minder heimliche und verhinderte Liebe des einen Klettermaxe gemacht haben, bleibt ein Rätsel. Die Figur ist total überladen und Frau Wokalek wirkt damit überfordert. Gegen Ende wird ihre Figur bzw deren Geschichte dann auch noch haarsträubend und dermaßen unrealistisch, dass selbst der dümmste Depp den Machern die Handlung nicht mehr abkaufen kann. Selbst mit ganz viel gutem Willen nicht.
So kann man mit Luise leider so gar nicht mitleiden, denn sie wirkt selbst nicht so wirklich leidend. So ein traumatisches Erlebnis, wie sie es hier erlebt haben soll, würde eine junge Frau, die noch dazu selbst halb erfroren und schon von den Ereignissen vorher zutiefst erschüttert sein müsste, wohl in eine tiefere Krise stürzen als es uns hier gezeigt wurde. Einfach nur traurig kucken und den Job kündigen? Das reicht irgendwie nicht.
Im Großen und Ganzen war der Film nicht so ganz schlecht. Er fing ein bißchen sehr schleppend an, als es an den Aufstieg ging wurde er dann sogar interessant und auch spannend (an dieser Stelle nochmal: schade, dass die Musik so vieles verraten hat). Das Ende der Bergsteiger ist zwar realistisch, aber das Ende des Films dagegen durch das ganze blöde Drumherum leider so kitschig und wenig fesselnd geraten, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln möchte. So bleibt am Ende ein Film mit traumhaften Bergaufnahmen, einer mäßig spannend erzählten Geschichte, die durchaus Potenzial hat und ein völlig vergeigter Schluss. Irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Trotzdem irgendwie unterhaltsam: 4+




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